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Dienstag, 28. August 2012

Das Brot

Der 08.08.2012 war ein denkwürdiger Tag: Ich habe mein erstes richtig gutes Brot gebacken, Backversuch Nummer 4. Es gibt hier in den USA kein gescheites Brot zu kaufen. Alles nur lapperige weiche Weizenbrote. Sowas kann man einfach nicht essen.
So hab ichs also gemacht:
Schon im März habe ich meine eigene Sauerteigkultur "Betty" angesetzt. Dazu hab ich einfach etwa 100g Roggenmehl mit lauwarmem Wasser vermischt und in der warmen Wohnung stehen gelassen. Das Ganze wurde nach einer Weile sauer. Ich habe täglich mit neuem Mehl und Wasser "gefüttert" und insgesamt 5 Tage stehen gelassen. Irgendwann stellt sich ein Gleichgewicht aus Hefen und Säurebakterien darin ein, dann kann man backen. Mein erster Versuch war überraschend gut, aber zu fest, das Brot war kaum aufgegangen, aber der Geschmack war super. Ich hab dann meinem russischen Kollegen etwas von der Sauerteigkultur gegeben und er hat seine eigenen Backversuche damit gemacht. Ich hatte die Geduld aber verloren und den Teig entsorgt. 
Die Brote meines Kollegen wurden dann aber immer besser und ich wollte es auch noch mal probieren. Also hat er mir etwas von der Kultur "Betty" zurückgegeben. Betty ist also eine lebendige Hefe - Säurebakterienkultur und muss immermal mit frischem Roggenmehl gefüttert werden. Wenn ich nicht backe, stelle ich Betty in den Kühlschrank. 

So nun aber zum Backprozess. Ich warne schonmal, ist alles nicht so einfach aber von nix kommt nix aber der Einsatz lohnt sich. Weil Betty so aktiv ist, brauche ich beim Backen keine Hefe hinzugeben.

Ich backe abends, am Vorabend vermische ich eine kleine Menge Roggenmehl mit Wasser und gebe einen Löffel voll von der Kultur hinzu. Für den nächsten Morgen gebe ich schonmal 2 Tassen Roggenmehl in eine Schüssel.
Der Ansatz bleibt über Nacht im warmen Zimmer, ich hab so etwa 29 °C bei mir, das gefällt auch der Hefe und der Sauerteig geht richtig schön auf.
Am nächsten Tag (der Backtag) vermische ich die zwei Tassen Roggenmehl und zwei Tassen Wasser und gebe 5 Löffel von der Sauerteigkultur hinzu. Das lasse ich dann tagsüber im warmen Zimmer stehen und gehe zur Arbeit. Am Abend sollte der Sauerteig gut aufgegangen sein und Blasen werfen. 
Dann vermische ich 1 Tasse Roggen-, 1 Tasse Vollkornweizen- und 2 1/2 Tassen Weizenmehl, 2 Löffel Flaxsamen mit etwa 1 1/2 Tassen Wasser und gebe den Sauerteig, 2 Löffel Salz und 1 Löffel Zucker hinzu, gut vermengen. Das bleibt 15 min stehen. Dann in die Backform geben oder aufs Blech und nochmal 1 1/2 Stunden gehen lassen. 
Der Teig in der Backform geht nach der 1 h 30 min Wartezeit bis zum Rand hoch. Backofen auf 428°F vorheizen (das sind 220°C, ich muss ja hier alles umrechnen), eine Tasse Wasser in den Backofenboden gießen. In den ersten 15 min alle 5 min das Brot mit Wasser besprühen, dann die Temperatur auf 392°F (200°C) und weitere 40 min backen. Während das Brot vor sich hinbackt, riecht es total köstlich nach frischem Brot. Hmmmmmmmm. Und wenn es dann fertig ist, muss man sich zusammenreißen und gedulden, man darf das Brot erst am nächsten Tag anschneiden. Ich backe meistens noch eine Art Brotkeks vom übrig gebliebenen Teig dazu, den darf ich sofort essen :). Man hält das sonst wirklich nicht aus. Es riecht einfach zu köstlich. Brot über Nacht aus der Form nehmen und mit einem Geschirrtuch abdecken.
Und da ist es. Ist es nicht einfach perfekt? Wunderbar aufgegangen, eben wie ein richtig gutes Mischbrot. Auch die Kruste hat die perfekte farbe. 
Whoa und was man nicht alles Leckeres auf Brot essen kann: Käse, Wurst, Frischkäse, ja sogar Nutella, Honig, Fleischsalat, Käse mit Gurke und Frischkäse. Was hab ich das vermisst...
Natürlich hatte ich das Brot dann in kürzester Zeit aufgegessen. Also kam Brot Nummer 5 gleich hinterher. Ich hatte mir zusätzlich noch eine Muffinform für Brötchen gekauft.
Ich schneide das Brot dann am nächsten Tag komplett in Scheiben und gebe diese in einer Tüte in den Kühlschrank. Kurz vor dem Essen toaste ich das Brot dann kurz auf, damit es nicht so kalt es. Ich toaste es aber nicht wirklich knusprig. So bleibt es über eine Woche lang frisch wie am 2. Tag.
So, und jetzt mache ich mir Rüheei auf Brot... lecker lecker. Guten Appetit.

Donnerstag, 16. August 2012

Meine Arbeit

Morgen muss ich im Institut einen Vortrag über meine Arbeit halten und ich bin jetzt schon aufgeregt. Der Vortrag ist im Prinzip fertig, nur durchsprechen muss ich ihn noch. Das hab ich als Anlass genommen um mal die Folien meiner Präsentation auf Deutsch zu übersetzen. 
Meine Meinung zum Labor hier in Galveston: Ich bin hier sehr zufrieden. Gerade heute hatte ich einen wissenschaftlchen Durchbruch und wir werden wohl bald unsere Arbeit veröffentlichen können. Das ist schon super erstaunlich denn ich bin gerade mal knappe 6 Monate hier. Wer hätte das gedacht, nach der üblen Erfahrung die ich in Orlando gemacht habe. Den Strand vermisse ich noch immer aber wenigstens passts hier mit der Arbeit und da muss ich nunmal wohl oder übel die meiste Zeit meines Tages mit verbringen.

Wir wollen die 3D-Struktur des Blutgerinnungsproteins Faktor VIII lösen und benutzen Elektronen-Mikroskopie als Methode. Hier sind ein paar erklärende Bilder dazu:
Das ist es also kurz und knapp zusammengefasst. Mit dem Elektronenmikroskop bekommt man reale Bilder. Unsere Proteine ordnen sich spiralförmig um Röhrchen an. Sie sind relativ regelmäßig angeordnet. Meine Kollegin nimmt etwa 500 solcher Bilder auf, dann schneide ich die Rörchenabschnitte aus und mit Hilfe eines Computerprogrammes werden alle übereinander gelagert. So bekommt man ein ziemlich scharfes Foto (2D) davon. Mit einem anderen Computerprogramm wird dann berechnet wie sich die Proteine um das Rörchen angeordnet haben - dann wird es 3D! Gerade heute habe die Lösung dafür gefunden, das ist sehr aufregend!  Meine Cheffin und ich haben da schon seit etwa 2 Monaten dran rumprobiert und heute hat es bei mir funktioniert. Und weil wir reale Bilder haben können wir das Model direkt mit den Mikroskop-Bildern vergleichen und wissen, wenn es richtig ist - und es sieht sehr gut aus! Leider kann ich davon keine Bilder zeigen, da dies noch unveröffentlichtes Wissenschaftliches Material ist. Sobald das publiziert ist, werde ich ein Update machen.
Ich stecke natürlich sehr tief in der Materie drin und weiß nicht in wie weit das jetzt für einen Ottonormalverbraucher verständlich ist. Ich hoffe ich konnte zumindest ein paar Klarheiten beseitigen ;).

Dienstag, 7. August 2012

Einfach nur schockierend...

Hier der nun schon überfällige Post zur Schießerei in Colorado. Ich denke ich muss nicht mehr weiter auf die Einzelheiten eingehen, hier ist ein Link wo man alles nochmal nachlesen kann wenn man denn will: Attentat Colorado Zusammengefasst: 12 Tote, 59 Verletzte, Kino Premiere, dunkler Saal, er bewaffnet bis an die Zähne, in Schutzkleidung und mit Gasbomben ausgerüstet.
Hier nun meine Eindrücke dazu. Ich weiß nicht wie darüber in Deutschland berichtet wurde aber solche Attentate gab es ja schon viel zu oft zuvor und immer fragt man sich, wieso es für einen psychisch instabilen und scheinbar kranken Menschen so einfach ist, an Waffen heranzukommen. Ich weiß auch nicht wie die Berichterstattung hier in den USA war, ich habe noch immer kein Kabelfernsehen. Aber ich weiß was meine eigenen Freunde auf Facebook geschrieben haben und das hat mich unfassbar schockiert und traurig gemacht. Natürlich haben einige den Familien ihr Beileid ausgesprochen aber am lautesten waren die Kommentare bloß nicht das Recht Waffen zu besitzen in Frage zu stellen, ganz im Gegenteil! 
Ich sträube mich innerlich dieses Bild zu posten. So war es auf Facebook mit dem Titel: "wie viele - gefällt mir- s bekommt dieses Bild?"

 Hilfe! Wie der Typ schon aussieht! Und das Bild hat leider leider unfassbare viele "gefällt mirs" bekommen. Meine eigenen Freunde haben es geliked und kommentiert. Einige von den Kommentaren will ich hier anonym veröffentlichen.
"Put down the controller, pick up a pen and go get your concealed carry license, so that when a mini juggernaut busts in to ruin your date night, you mess up his plan instead."
" Leg den Joystick beiseite, nehme einen Stift in die Hand und beantrage deine Lizenz verdeckt Waffen zu tragen, damit du, wenn das nächste mal ein Idiot versucht dein Date zu ruinieren, seinen Plan vereiteln kannst."
Es werden nicht schärfere Waffengesetze gefordert - nein! - es wird nach noch mehr Waffen geschrien, am besten solle jeder eine Waffe tragen! Schweizer Zustände wurden propagiert und wie sicher es in der Schweiz wäre, obwohl jeder dazu verpflichtet ist eine Waffe zu tragen.

Diese Leute bilden sich tatächlich ein sie hätten den Attentäter stoppen können. Die Leute in Colorado wurden fast lächerlich gemacht, obwohl es dort im Prinzip erlaubt ist Waffen bei sich zu führen, war gerade niemand von denen im Kino.

Unter anderen wurde auf Facebook diskutiert was für Waffen er hatte.  Antwort: "AR 15 12 guage and 2 glocks. I have all that and more haha!"

Ich glaube das muss ich nicht übersetzen, oder? Irgendwie erinnert mich das an diesen Stefan Raab Einspieler mit der dämlichen Lache.

 Kleine Jungs die sich nur mit Waffe stark und cool vorkommen...

Dann kommt plötzlich die Rechtfertigung mit dem Auto-Vergleich: Warum will ich denn ein Auto was 250 km/h fährt haben, obwohl ich nur eines mit 150km/h brauche. Haha. OK hier lachen wir Deutschen plötzlich drüber weil wir tatäschlich die 250 km/h brauchen. In den USA ist die Geschwindikeitsbegrenzung aber 113 km/h. Gut. Solche Autos können eine Gefahr bedeuten. Aber ganz davon abgesehen: der Vergleich hinkt! Was ist der Zweck eines Autos? (man denke sich das entsprechende Geräusch...) genau: fahren. Was ist der Zweck einer Waffe? (auch hier das Geräusch...) Schießen! Töten! Was denn sonst? ----------------- Respekt einflößen? Ja das ist wohl die Hauptmotivation hier!

Es kamen noch viel abstrusere Rechtfertigungsvergleiche: Löffel zum Beispiel. Löffel sind gefählich: Sie machen fett. Hier soll ein Bewustsein dafür geweckt werden, dass es darum geht wie man den entsprechenden Gegenstrand benutzt? Oder dass der Gegenstand Mittel zum Zweck ist und jeder entscheidet selbst welche Konsequenzen es hat? ---------Humbug!
Ja klar... Dann wurde diskutiert, dass der Attentäter sowieso psychisch krank war und das alles unvermeidlich war, selbst wenn es für ihn nicht so einfach gewesen wäre an Waffen heranzukommen. Da ist sicherlich was dran und ein Freund hat mich auch darauf aumerksam gemacht, dass es selbst in Deutschland so einen Vorfall gab. Hier hat sich der Attentäter panzerfaustähnliche Waffen selbst gebaut. Das können allerdings nur Menschen mit einer gewissen intellektuellen Begabung. Auch bei dem Colorado-Attentäter handelte es sich um einen, wenn auch wahnsinnigen, aber hochintelligenten jungen Mann, er arbeite an seiner Doktorarbeit. Wie auch immer, ob man nun dieses Attentat mit schärferen Waffengesetzen hätte vermeiden können oder nicht. Hier in den USA gibt es so viele spontane ungeplante Schießereien. Das sind einfach nur Idioten in üblen Gegenden und die landen nie in den internationalen Nachrichten. Es sind einfach zu viele. Darum geht es mir.

Es gab zwischen diesen Facebook-Kommentaren einen Mann, der sich eindeutig gegen die ganzen Waffen ausgesprochen hat. "Ich glaube nicht, das uns noch mehr Waffen etwas bringen." "Wo waren denn die verdeckten Waffenträger in Colorado?" 

Die Antwort darauf:

"Halt den Mund und geh spielen! .... Dies ist der große Jungs Bereich ... Was du hier für einen Mist schreibst... Du hast keine Ahnung von den Gesetzen und was in unserem Land los ist. Du widersprichst dir selbst.  Geh spielen, hier ist der Bereich wo sich die Alpha-Männchen unterhalten, da ist kein Platz für p***** wie dich. Nein im Ernst, hör auf hier zu kommentieren und lass die großen Jungs reden."

Es ist ein Kampf gegen die Windmühlen, gegen eine große Übermacht.

So langsam wird mir klar, wo ich mich befinde: In Texas! Waffen zu besitzen ist hier Tradition und jeder der das in Frage stellt wird sofort Mundtot gemacht. 

Ich hatte das nur zuvor nie so mitbekommen. Ich glaube jeder Typ den ich hier bisher kennengelert habe, besitzt mindestens eine Waffe. Nein! Eine reicht natürlich nicht, für jede Gelegenheit muss die richtige Waffe her, ein Gewehr, eine Glock und was nicht noch alles. 
Zum Glück kann ich mich hier ordentlich darüber aufregen. Mit meinen texanischen Freunden kann ich darüber nicht reden. Haha! Ich könnte aber dann hätte ich wahrscheinlich keine Freunde mehr. Ich muss das wohl so hinnehmen, ich glaube nicht, dass ich das ändern kann. Ich bin hier Gast und bin nicht wegen der ganzen Waffen hier sondern trotzdem. Ich bin nur wirklich froh, dass es in Deutschland anders ist.

Übrigens ist das Welcome to Texas-Schild dort oben zum Glück eine Fotocollage. So sieht es wirklich aus:
Was sind denn das für schwarze Punkte? Nieten? Einschusslöcher???